
objektiv, aber sah das negative immer zuerst und wollte Menschen keine unschuldigen Intentionen zusprechen. Hoffnung empfand er als unnötig und irreführend. Er verbrachte nicht gern Zeit in direkter Gesellschaft. Gern war er unter Leuten und beobachtete sie, doch mied Interaktion. Denn welchen Gedankenanstoß konnten die platten Salzgitteraner ihm noch geben, auf den er nicht schon vor zwei Jahren von selbst gekommen war? Er war ein wenig überheblich und so halb war ihm das auch bewusst. Aber Fakt war, dass er über viel zu viele Dinge nachdachte und sie bis zur Unkenntlichkeit zerkaute, zumeist, um nicht über seine eigentlichen Probleme nachzudenken. Und jemandem der alles schon drei Mal durchgedacht hatte, welche neuen Anreize konnte man so einem Menschen noch geben?
Salzgitter veränderte sich nicht. Alles folgte einem sich täglich wiederholendem Trott, und an den hatte er sich gewöhnt. Nichts würde sich ändern wenn er es nicht initiierte, und das hatte etwas ermunterndes an sich. Das Ausmaß an Trostlosigkeit in seinem Leben unterlag seiner vollen Kontrolle. Nicht die Stadt beeinflusste es, nicht die Leute um ihn herum, die Schule oder seine Mutter. Er selbst war für sich verantwortlich. Wenn er unzufrieden war, konnte er lediglich sich selbst dafür anprangern. Das bedeutete auch, dass er sich keinen neuen Dingen stellen musste, auf die er noch nicht vorbereitet war. Der Trott würde weiterverlaufen, bis er den Kreis durchbrach und wann er das tat, konnte er in seinem eigenen Tempo entscheiden. Bald, sagte er sich, immer wieder, bis er dann feststellte, dass ein weiteres halbes Jahr verstrichen war. Sein Plan, auszubrechen und etwas zu verändern, war eine Lüge. Genau so, wie Salzgitter sich selbst belügte mit seinen Versprechen und versuchen, Braunschweig in nichts nachzustehen. Nichts veränderte sich. Und wahrscheinlich würde er in zehn Jahren feststellen, dass er sich auch nicht verändert hatte, entgegen all seiner Vorhaben. Aber dann würde es sein wie es