nunmal war, nihilistisch gesehen. Und er würde der Einzige sein, der dafür verantwortlich war. Immerhin könnte er dann behaupten, dass er sich nicht von äußeren Einflüssen hatte zurückhalten lassen. Sein Elend hätte er sich ganz allein aufgebaut, und das war etwas auf das man stolz sein könnte, oder nicht?
Ja, oder vielleicht auch nicht.
Er hatte schon immer das Gefühl gehabt weniger Freude zu empfinden als die Menschen um ihn herum, doch die Gleichgültigkeit hatte erst kurz nachdem er fünfzehn geworden war eingesetzt. Er war spät Abends nach Hause gelaufen und hatte eine schmale, wenig befahrene Brücke passiert, die über die lokale Autobahn führte. Er hatte einen Moment lang inne gehalten und war zufälligerweise dort gewesen, als ein Falschfahrer unter ihm hinweg raste. Das Auto war in einiger Entfernung in die Leitplanke gerast. Er hatte mit niemandem darüber gesprochen, doch die sowieso schon triste Welt hatte für ihn an diesem Tag entgültig ihre Farbe verloren. Oft dachte er an diesen ihm unbekannten Menschen, der in jener Nacht sein Leben beendet hatte und sympathisierte mit ihm. Er wollte es ihm nicht gleichtun und sah dies auch nicht als Option an, doch er glaubte, sich in diese Person hineinversetzen zu können, obwohl er die Umstände nicht kannte. Immer wieder kehrte er zu dieser Brücke zurück um in Gedanken zu versinken. Die ersten Male hatte er sich noch gefragt, was für Beweggründe die Tat gehabt hatte, doch stellte bald fest, dass eine Erklärung nicht von Nöten war. Das Geschehene sprach für sich. Es war egal, ob Selbstmord das Ziel gewesen war oder eine Verkettung unglücklicher Umstände dazu geführt hatte, dass jemandes Leben gegen dessen Willen endete, und auch ob der Fahrer des Autos mit einem Salzgitter Kennzeichen den gleichen Eindruck von dieser Stadt hatte. Es fühlte sich an, als sei kein Ort mehr dafür prädestiniert gewesen. Es erschien ihm stimmig. Als würde
