achte nachwirkung einer orangenen einstellung
kapitel einsfalschfahrer
Salzgitter war ein Kuhkaff. Zwar war Braunschweig nicht weit weg, aber es fühlte sich an als wären Welten dazwischen. Man konnte den Bus nehmen und rüber fahren, doch das änderte nichts daran, dass man aus Salzgitter kam. Es war spührbar, genauso wie es offensichtlich war, dass die Braunschweiger von einem anderen Schlag waren, und das obwohl die Distanz zwischen den beiden Orten gar nicht so groß war. Braunschweig war netter, größer, bunter- aber auch überheblich. Wie, du studierst gar nicht? Warum unterhalte ich mich dann überhaupt mir dir?
Im Endeffekt fühlte Neo sich in seinem Kuhkaff wohl, auch wenn er kaum etwas Gutes darüber sagen konnte. Diese Diskrepanz fasste seinen Charakter gut zusammen. So jämmerlich er diesen Ort auch fand, er hätte nirgendwo anders leben wollen. Er schaute sich auf den Straßen um, schaute aus dem Busfenster und fand sich selbst darin wieder. Niemand hier kam ihm wirklich glücklich vor und deswegen passte er hier rein. Die meisten Leute hatten gute Gründe um sich zu beschweren, die hatte er nicht und das wusste er, aber niemand konnte in ihn hinein sehen. Nach außen hin mochte er wirken, als habe er die gleichen Probleme wie jeder Andere auch. Als wollte er weg und konnte nicht. Als habe er nichts über für diese miserable Gegend. Als würde er in diesem Drecksloch feststecken und würde sich einreden, dass Salzgitter der Grund für all seine Probleme war.
In Braunschweig würde es ihm nicht besser gehen. Seine depressive Grundstimmung war in seinen Charakterzügen verankert und ließ sich so schnell nicht abschütteln. Er bezeichnete seine Denkweise gern als
